
- Teil 3 -
Straubing bis Dessau
09.04.03
Straubing / Zur Linde
Beim
Aussteigen über den roten Teppich gestolpert – es gibt Tage da sollte man im
Bett bleiben! Selbst die eigens für uns im Backstage eingerichtete Cocktailbar
konnte uns nur langsam mit diesem Tag versöhnen. Nach und nach aber, konnten
uns die fitten Veranstalter (Gruss an Ulli, Fuchsi & Co.) mit gutem Essen
und gewaltigen Margen an Drogen dazu bringen, den Auftritt dennoch guter Dinge
anzutreten. Pogo-Horden aus Passau liessen den Auftrittssaal zum Hexenkessel
mutieren – schön in lachende Gesichter zu sehen, wenn man sich die Seele aus
dem Leib schreit! Am Verkaufsstand machten wir Umsatzrekorde, im Backstage gab
es noch eine Stripshow von jungen einheimischen Damen zu bewundern – so loben
wir uns das...
Die
Party ging noch bis tief in den frühen morgen, bis wir unsere Schlafgemächer
aufsuchten. Rock’n’Roll ist manchmal wirklich die Hölle!
10.04.03
Wien / Arena
Als
wir in den Talkessel der ehemaligen K & K- Metropole einrollen ist das
Wetter ganz und gar nicht kaiserlich – Sissi, wo warst du als wir dich
brauchten? Auch hier liegt noch vereinzelt Schnee, aber die Luft ist trotz
Schmuddelwetters warm.
Ganz
anders der Empfang durch Tommy den Veranstalter: Kompetent, freundlich und
vollauf in Kenntnis dessen, was eine tourende Band zum Wohlfühlen braucht. Der
sprichwörtliche Wiener Schmäh der um uns herumwuselnden Leute ist überaus
charmant und steigert das Wohlbefinden nochmals. Ein echtes Original, nämlich
der Wiener Quotenbayer (W)Osama Bin Kochen regiert hier an den Töpfen und lässt
unseren alten Kumpel Max Inzinger wie einen dilettierenden Stümper aussehen.
Komplett abgefüllt werden wir in unsere Gemächer, welche im Hotel
Rock’n’Roll liegen, geführt.
Während
des Gigs bringe ich meine Mitmusiker mal wieder durch falsche Ansagen
durcheinander, was mir im Backstage 13 Schläge mit der neunschwänzigen
Nilpferdpeitsche einbringt. Nichtsdestotrotz mache ich mich geschmeidig, einem
Panther gleich, zum Merchandise, um die Wiener Massen mit unserer wohlfeilen
Kleidung einzudecken. Kontaktaufnahme mit dem örtlichen Drogenbeauftragtem und
der bezaubernden Bardame machen die After-Show-Party zum heimeligen Ich-fühl-mich-hier-wie-zuhause-Erlebniss.
Auch in Sachen Geschichtsaufarbeitung wird hier noch einiges gerissen, hatten
wir uns noch auf der Fahrt die Hirne zermartert, wie den wohl der österreichische
Kanzler hieß, welcher den Anschluss Österreichs an das Dritte Reich möglich
machte, so sollte ich in den frühen Morgenstunden aufgeklärt werden:
Schuschnigg ist der Name des üblen Verräters gewesen, seines Zeichens
bekennender Faschist. Auf dieses hochbrisante Thema gestoßen, wollten die
Debatten gar nicht enden. Wunderbar erhellende Gespräche morgens um halb Drei
– Dank an alle Anwesenden und vor allem die an Geduld der Schankwirtin!
11.04.03
Saalfeld / Klubhaus
Unser
nächstes Ziel hieß Saalfeld in Thüringen. Wer mal einen Blick auf die
Landkarte wirft, wird feststellen, dass die Strecke Wien – Saalfeld alles
andere als ein Katzensprung ist, genau genommen eine Ochsentour von acht Stunden
Fahrt. Aber hilft ja nichts! Für vieles entschädigte dann der letzte Teil der
Fahrt durch das Thüringer Schiefergebirge. Susii verwandelte die Fahrt durch
das bergige Gelände und die vielen Serpentinen zu einer lustigen
Achterbahnfahrt. Wer braucht da noch den Heide-Park? Das Klubhaus selbst kann
als Paradebeispiel der planorientierter DDR-Architektur bezeichnet werden: Große,
repräsentierende Bühne, Balkon für die Wichtigen, aber seltsamerweise im
ganzen Haus keine Türen in den Angeln... Dank des vielen Platzes auf der Bühne
konnten wir uns beim Gig dann richtig austoben. Die Nacht hingegen war weniger
erholsam, da die Jungs von Skaos, die an dem Abend ebenfalls im Klubhaus
spielten, einen etwas anderen Begriff von „Nachtruhe“ hatten. Dies führte
bei Skaos wahrscheinlich zu einem soliden Vollsuff, bei uns angesichts des damit
verbundenen Geräuschpegels leider zu einem zu Viel an zu wenig Schlaf ...
12.04.03
Dessau, / AJZ
Volksfeststimmung
in Dessau. Das dortige AJZ feierte seinen 10. Geburtstag und hatte zu diesem
Anlass unter anderem uns für das musikalische Rahmenprogramm eingeladen. Da ja
schon heftigst der Frühling im Ausbrechen begriffen war, war die Bühne auf der
Straße vor dem AJZ aufgebaut. Und somit konnten wir das erste Open-Air für
diese Saison verbuchen. Trotz der abendlich kühlen Temperaturen war die
Stimmung bei Band wie Zuschauern super und wir konnten uns an heftigst zu
unserer Musik durcheinanderpurzelnden Geburtstagsgästen erfreuen. An diesem
Abend fielen auch die Peitschenhiebe für Sölti weg (s.o.), da er uns diesmal
sicher durch unser Programm manövrierte. Kleine Bühne – großer Abend !
Danke an das Dessauer Publikum. Abgerundet wurde dieser Tag von
einer ruhigen und erholsamen Nacht (was ja nicht unbedingt Standard ist
auf Tour...).
Wird
fortgesetzt...
Grüsse von Euren tourenden HAMMERHAIen!